Das Schwabenhaus grenzt direkt an das Neckarmüllerei-Grundstück.

 

Die Stadt Tübingen erwarb am 28. Juli 1950 zuerst das Neckarmüllerei-Anwesen, um dort die notwendigen baulichen Veränderungen am Gebäude hinsichtlich des damals gültigen Stadtbauplans durchsetzen zu können. Der Bebauungsplan Neckarmüllerei sah eine vollständige Überbauung des gesamten Neckarmüllereigeländes durch einen Hotel- und Geschäftskomplex vor und das, obwohl ein im Güterbuch eingetragenes Servitut die Nichtüberbauung des unteren Garten vorschrieb. Dies wurde durch eine Bürgerinitiative verhindert. Die Bürgerinitiative konnte zwar das Bauprojekt, nicht aber den Abriss der alten Wirtschaft verhindern. Heute befindet sich anstelle der alten Neckarmüllerei dort eine neuerbaute Gasthausbrauerei.

 

An das Neckarmüllerei-Anwesen angrenzend - also auf dem Grundstück des heutigen Schwabenhauses - eröffnete am 1. Juni 1868 der Zimmermeister Julius Haller eine Badeanstalt. Das Gebäude setzte sich aus einem einstockigen Mittelbau und zwei zweistockigen Seitenflügeln zusammen. Nach dem Tode von Werkmeister Haller und seiner Frau führten zwei seiner Kinder die Badeanstalt weiter. 1898 verkauften sie diese mit Garten für 44.000 D-Mark an den Verein alter Tübinger Schwaben, der dort ein neues Verbindungshaus zu bauen beabsichtigte. Im Frühjahr 1899 begannen die Schwaben mit dem Neubau und stellten den Rohbau noch im August fertig. 1913 erfolgte eine Aufstockung des Seitenflügels durch Franz Bärtle, nach dessen Plänen schon im Jahr zuvor die Pergola am Neckar ausgeführt worden war.

 

Nachdem das Gebäude 1945 bis 1949 von den Franzosen beschlagnahmt und anschließend vermietet worden war, kaufte es die Stadt 1953 dem Verein alter Tübinger Schwaben für 55.000 D-Mark ab. Der dazugehörige Garten wurde als Bauplatz für die Landeszentralbank bereitgestellt. Schon damals wurde für die Zukunft ein Abbruch des Gebäudes in Zusammenhang mit einer Gesamtbebauung des ebenfalls städtischen Neckarmüllereigeländes erwogen (diese Planungen waren für das Schicksal des Jugendclubs nicht unerheblich).

 

Der konkretisierte Bebauungsplan wurde 1968 genehmigt. Gleichzeitig regte sich Widerstand von seitens der Bürgerinitiative Neckarmüllerei und des Landesdenkmalamts, das im Schwabenhaus ein erhaltenswertes Kulturdenkmal, "einen wichtigen Beitrag des Historismus mit leichten Jugendstileinflüssen“ sah. Den Streitigkeiten setzte das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim ein Ende. Die Klage der Stadt Tübingen auf Abbruch des Gebäudes gegen das Land wurde auch in der Revision abgewiesen. Ende 1976 begann die Sanierung des Gebäudes, das am 15. August 1978 offiziell eröffnet und an die Volkshochschule übergeben wurde.

 

Quelle: Zwischen Ammer und Neckar - Das Tübinger Stadtbild im Wandel

 

 

Jugendclub im Schwabenhaus

 

Im Schwäbischen Tagblatt war am 6. April 1961 zu lesen, dass der Jugendclub Mitte 1959 gegründet wurde und die erste Clubvorsteherin Fräulein Görlich war. Unter ihrer Obhut trafen sich zu leichter und ernsthafter Unterhaltung, zu Spiel und Sport täglich außer montags 40 bis 50 Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Das Clubheim wurde vom Jugendsozialwerk eingerichtet, sollte aber im Herbst 1960 aufgelöst werden. Stadt- und Landkreis Tübingen zeigten jedoch viel Verständnis für die Notwendigkeit dieser Jugendarbeit und wurden am 1. Oktober 1960 gemeinsame Träger dieser Einrichtung.

 

Dem Club standen zu dieser Zeit zwei Aufenthaltsräume, ein Werkraum, eine Tanzbar im Keller, ein Büro und die schöne Terrasse am Neckar zur Verfügung. Gleich bei der Gründung wurde damals in wochenlanger gemeinsamer Arbeit am Feierabend der alte Gerümpelkeller in einen Tanzkeller verwandelt. Mit als Höhepunkte des Clublebens wurden von den "ersten Clublern“ Fahrten und Feste genannt. Am Wochenende wurden manchmal Wanderungen in die nähere oder weiter Umgebung unternommen. So war der Club 1960 in Zürich, eine Jugendgruppe war mit Rädern zum Tegernsee und eine Mädchengruppe zum Schwarzwald gefahren. 1961 gab es Wanderungen zur Burg Lichtenstein, zur Burg Hohenzollern und in die nähere Umgebung Tübingens.

 

Anfang 1962 übernahm Wohlfahrtspfleger Klein die Stabsführung im Schwabenhaus. Dieser Stabswechsel mitten im Hochsommer war natürlich äußerst ungünstig, da während dieser Jahreszeit das Interesse am Club naturgemäß relativ gering war. Der Jugendclub hatte eine böse Krise zu überstehen.

 

Er begann langsam einzuschlafen. Nur noch Wenige (so schrieb das Schwäbische Tagblatt Anfang 1963) trafen sich mehr oder weniger regelmäßig zum Kartenspiel. Als Hans Klein vom CVJM zu einer anderen Aufgabe abberufen wurde, wurde wieder erwogen, ob man die Sache nicht doch einschlafen lassen sollte.

 

Manfred  "Manne" Sailer, mit 25 Jahren damals selbst noch ein junger Mann, aber mit viel Idealismus, wurde im Mai 1963 Clubleiter. Nach seinem Amtsantritt, so Manne Sailer, "ließ er den Karren acht Tage lang eben mal so laufen - dieser Karren bewege sich schon bedenklich pomadig“. Er sah damals als Chance für die Zukunft, mit dem Club mehr an die Öffentlichkeit zu treten, Kontakte zu den Jugendverbänden herzustellen, Gegeneinladungen auszusprechen, öffentliche Veranstaltungen zu planen und zu initiieren und z.B. auch öffentliche Tanzabende zu veranstalten.

 

Manne Sailer entwickelte ein buntes Programm, das von den Jugendlichen gerne angenommen wurde. Den Anfang machte eine Besuchergruppe aus Durham und 14 junge Tübinger, die mit zurück nach England reisten. Diese Gruppe waren Gäste des Jugendclubs. Einen Abend lang wackelte wieder die Wand. Danach wurden Fußballspiele organisiert, Vorträge angeboten, Spiele-Mittage eingerichtet, Wettbewerbe, Filmabende usw. Auch Bier durfte man jetzt trinken - allerdings unter der strengen Aufsicht von Manne.

 

Man kann mit guten Gewissens sagen, dass der Jugendclub von der Tübinger Jugend immer mehr und sehr begeistert angenommen wurde. Es gab viele Höhepunkt in diesen Jahren, z.B. die Fahrten nach Aix, Lion-sur-mer, Durham, die Bandwettbewerbe, die Jugendfeste usw.

Für viele wurde das Schwabenhaus zu einer zweiten Heimat.

 

Ziemlich genau acht Jahre nach seinem Antritt als Jugendclubleiter kündigte Manfred Sailer - er kapitulierte an den massiven Problemen, die sich mit der Jugendarbeit ergaben.

 

Zum Beispiel hatte er mit der ständigen Abbruchdrohung zu kämpfen: zum Mai 1967 erhielt der Club die erste schriftliche Kündigung. Diese eher äußerlichen Probleme hatten jedoch auch Auswirkungen auf die interne Arbeit. Fragen wie: wie lassen sich Mitarbeiter aktivieren, wie sind welche Jugendliche anzusprechen, für welche Jugendliche ist der Club da. Der Jugendclub finanzierte sich damals zu 48% selbst. Jedoch war Manfred Sailers Fazit, dass die notwendige intensive Arbeit im Club nicht mehr geleistet werden könne, dazu wären mehr Mitarbeiter nötig gewesen. Dazu fehlten aber die Zuschüsse und wenn man berücksichtigt, mit welchem skandalös geringem Gehalt unter Beachtung des (Stunden-)Einsatzes Manne Sailer diese Arbeit schulterte, war es schon damals ziemlich illusorisch, entsprechende Mitarbeiter als Nachfolger zu finden.

 

Im Oktober 1970 wurde dann von Psychologie-Studenten eine Übergangshilfe angeboten. Andrea Schmidthenner und Willi Schlichte erklärten sich bereit, in der Übergangszeit zwischen Sailers Weggang und der Einstellung eines neuen hauptamtlichen Leiters sich um den Club zu kümmern.

 

In den zwei darauffolgenden Jahren übernahmen die noch im Jugendclub verbliebenen Jugendlichen den Club in Selbstverwaltung. Ostern 1972 wählten sie ein Zehner-Gremium, das die Organisation der Jugendarbeit im Jugendzentrum in die Hand nehmen sollte. Der Club wurde für 14 Tage geschlossen, damit das Gremium einen "Schlachtplan“ zur Herausführung aus der Krise finden sollte.

Ein weiterer schwerer Rückschlag für die Jugendlichen war dann der Brand im Schwabenhaus ca. 3 Wochen später.

Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten damals zu keinem Ergebnis und die Ära des Jugendclub ging langsam ihrem Ende entgegen. Geboren wurde das Epple-Haus.

 

 

Das Sigmaringer Verwaltungsgericht entschied sich für die Erhaltung des 1899 erbauten Verbindungshauses

Die Stadt Tübingen wollte das 1899 gebaute Verbindungshaus des Studentencorps Suevia in der Gartenstraße abreißen, hatte aber nicht mit dem Land Baden-Württemberg gerechnet. Das nämlich fand damals, das Haus sei erhaltenswert als ein Kulturdenkmal. Das Land bekam vom Sigmaringer Verwaltungsgericht Recht. Das Urteil wurde am 27. März 1974 gesprochen. Später kam im Schwabenhaus die Tübinger Volkshochschule unter, jetzt hat dort die Hochschule für Kirchenmusik ihr Zuhause.

 

Quelle: 07.04.2004 Schwäbisches Tagblatt Tübingen